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Alles unwichtiger als Lena.

Mai 31st, 2010 · Keine Kommentare

Lena hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Das ist schön. Schön finden das auch andere. Die Tagesschau, RTL, die BILD, N24 und Weitere. Sondersendungen wurden gesendet, Lena als erste Nachricht in der Tageschau, Live Schaltungen von der Landung des Flugzeugs, in dem Lena saß, auf zwei Sendern zugleich. Vielleicht bin ich der einzige Mensch in Deutschland, der sich fragt: “Warum”. Warum ist der Ministerpräsident von Niedersachsen auf dem Rollfeld, wenn eine vor 3 Monaten noch völlig unbekannte Frau, aus einem Flugzeug steigt? Warum lässt die Kanzlerin Grüße ausrichten ? Warum kennen viele Medien keine anderen Themata mehr? Zugegebenermaßen, auch ich habe den Contest verfolgt, verstehe den Hype aber nicht. Eine Frau wurde mit einem passablen Song unter größtenteils musikalischen Unfällen, (anders kann man die Beiträge von Dänemark und England und einigen Weiteren nicht bezeichnen) als die beste erkoren. Es handelt sich um einen völlig normalen Popsong, der ein völlig normales Thema enthält, einen klassischen Aufbau hat und auch anderweitig so was von normal ist, dass es schon wieder unheimlich ist. Wesentlich mehr beunruhigt mich die Reaktion der deutschen Medienlandschaft über einen völlig belanglosen Sieg bei einem völlig überschätzten Wettbewerb, dessen Qualität meist bis auf wenige Ausnahmen eher einem Gruselkabinett gleicht. Mir fallen für diesen “Hype” nur drei Gründe ein, von denen zwei aber recht ähnlich sind, beziehungsweise ineinander überlaufen. Grund A: Die Medien fürchten das berühmt berüchtigte Sommerloch. Möglich aber eher unwahrscheinlich. Die BILD-Zeitung, (oder andere vergleichbare Medien) haben noch viele Sommerloch Geschichten im Archiv, über Aliens, drittklassige Prominente und Dinge/Personen die entfernt mit Hitler oder dessen Cousin 18. Grades zu tun haben könnten. Grund B: Viele Menschen sind es in Zeiten der Krise leid, immer nur Negatives zu lesen. Schon eher wahrscheinlich. Aber wer dieses berühmt Berüchtigte deutsche “Wir” ist, weiß irgendwie keiner so genau. Es ist immer wieder schön zu lesen: “Wir haben den Song Contest gewonnen.” Aber wer ist “Wir“? Der Däne und der Amerikaner die den Song geschrieben haben? Oder aber vielleicht die Sprache, die bei vielen schon als Muttersprache gilt? (Zumindest wenn es um Werbung, Internet oder Technik geht). Oder quasi die deutsche Nation? Offenbar ist jeder ein Stück am Sieg von Lena Meyer-Landrut beteiligt. So gefühlt. Dies bringt mich zu meinem drittem möglichen Grund. Der, einige Zeit verfrühte Patriotismus, der in Deutschland pünktlich alle zwei Jahre im Sommer sein Comeback gibt. Die FIFA Fußball Weltmeisterschaft ist für uns deutsche der Grund uns 4 Wochen alle zwei Jahre zugehörig zu fühlen. Zu diesem oben erwähnten mystischen “Wir” oder wie es im Fußball heißt: 12. Mann. Vielleicht wird in den Medien schon einmal der Aufstand geprobt; sollte Deutschland Weltmeister werden. Dies sind alles Gründe, für den Wirbel um beinahe nichts, den die Medien veranstalten. Mir fallen keine sonstigen vernünftigen Gründe ein (Quote/Auflage mal ausgenommen). Und doch sind sie alle keine wirklichen Gründe. Am Ende bleibt nur viel heiße Luft um sehr sehr wenig. Mittlerweile ist es ja schon dazu gekommen, dass die Medien darüber schreiben, wie sehr der Rummel um das Ganze immer stärker wird. Ich finde (ich mag der Einzige sein) das dies in Zeiten von Wirtschaftskrise, Amt niederlegenden Staatsoberhäuptern und vielen so viel wichtigeren Dingen, ein Armutszeugnis für einen Großteil der deutschen Medienlandschaft ist.

Aljupo

Tags: Allgemein · Gesellschaft

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